Bestimmung des Toxoplasmosetiters in der Schwangerschaft

Beschreibung

Toxoplasmose ist eine durch Toxoplasma gondii verursachte Zoonose (Erkrankungen, die von Tier zu Mensch übertragen werden). Katzen, Meerschweinchen und ähnliche Tiere sind die Endwirte der Toxoplasmenda, die sich im Darmepithel geschlechtlich vermehren können. Als Zwischenwirte kommen Warmblüter wie Schweine, Rinder, Geflügel und andere Schlachttiere in Betracht. In ihrer Muskulatur können sich Toxoplasmosezysten befinden. Daraus ergeben sich die Möglichkeiten der Infektion. Zum einen ist es der Genuss von rohem oder ungenügend behandeltem, zystenhaltigem Fleisch oder Fleischprodukten. Zum anderen kann durch verunreinigte Gartenerde oder kontaminierte Lebensmittel die Übertragung der Krankheit erfolgen. Neben diesen beiden Möglichkeiten kommen zwei weitere allerdings seltenere Übertragungsmöglichkeiten vor: 1. die Infektion des Kindes in der Gebärmutter über die Nachgeburt, wenn die Mutter in der Schwangerschaft akut erkrankt 2. zum Beispiel bei Transplantationen Oft verläuft die Infektion ohne klinische Zeichen. Grippeähnliche Symptome sind möglich, auch Lymphknotenschwellungen im Halsbereich. Problematisch ist die Erstinfektion von Schwangeren, da der Erreger schwere Fruchtschäden verursachen kann. Frauen, die einmal eine Toxoplasmose-Infektion durchgemacht haben, bilden Antikörper. Damit sind sie praktisch immun gegen eine Ansteckung. Gelingt bei der Titerbestimmung der Antikörpernachweis, besteht für diese und folgende Schwangerschaften kein Risiko für das ungeborene Kind. Werden keine Antikörper gefunden, sollten im Verlauf der Schwangerschaft weitere Kontrollen in etwa sechswöchigem Abstand erfolgen. Der Grund dafür ist das zunehmende Risiko einer Infektion des Fötus im Verlauf der Schwangerschaft. Je später die Infektion im Verlauf der Schwangerschaft erfolgt, umso weniger schwer ist das Krankheitsbild beim Kind zu erwarten. Die Infektion im Verlauf der Schwangerschaft wird als pränatale Infektion bezeichnet. Wie erfolgt die Diagnostik, wie sicher ist sie? Im Normalfall erfolgt der Antikörpernachweis im Blut der zu untersuchenden Person. Bestimmt werden sollten IgG und IgM Antikörper. 1. Sind beide Antikörper negativ, kann eine Infektion ausgeschlossen werden. Es besteht aber auch keine Immunität. 2. Ist der IgG positiv und IgM negativ, ist von eine inaktiven, latenten Infektion auszugehen, die für die Schwangerschaft keine Bedeutung hat. 3. Sind beide Antikörpertiter positiv mit hoher IgG Avidität, kann man von einer abklingenden Infektion ausgehen. 4. Sind beide Antikörpertiter positiv mit niedriger IgG Avidität, ist eine akute Infektion möglich. Daher sind weitere Untersuchungen erforderlich ggf auch weitere Verlaufskontrollen. Wenn eine Therapie erforderlich wird, ganz besonders bei der pränatalen Toxoplasmose, so sollte bis zur 16. SSW mit Spiramycin und danach mit einer Kombination aus Pyrimethamin und Sulfadiazin behandelt werden. Eine gleichzeitige Gabe von Folsäure ist zwingend erforderlich.



Autor: ÄGGP

Fakten

Indikation

Sinnvoll für alle Erstschwangeren oder Mehrgebärende ohne vorherigen Antikörpernachweis zusätzlich bei Kinderwunschbehandlung vor einer Schwangerschaft.

Risiken

Es besteht das Risiko, dass eine akute Infektion nicht rechtzeitig erkannt wird, da der Titeranstieg verzögert sein kann. Die Inkubationszeit beträgt 2-3 Wochen.

Alternativen in der GKV

Die GKV hat Bestimmung des Toxoplasmose-Antikörpertiter aus dem Leistungskatalog gestrichen. Grund dafür ist die angeblich unklare Sicherheit des Antikörpertiters und das Risiko durch eine eventuell erforderliche Therapie. Bei einem begründetem Verdacht einer Neuinfektion in der Schwangerschaft zahlt die Krankenkasse den Test.

Kosten

Die Kosten für Blutentnahme und Beratung durch den Arzt sowie Titerbestimmung im Labor liegen zwischen 20,- und 40,- Euro.

Qualifikation des Anbieters

k.A.

Unser Kommentar

Wichtig für Schwangere ohne Antikörper ist die Prävention. Kontakt mit fremden Katzen meiden. Keine rohen Fleischprodukte besonders aus Schweine- und Schaffleisch verzehren. Obst und rohes Gemüse gründlich waschen, ebenso die Hände vor jeder Nahrungsaufnahme und nach Garten- oder Erdarbeiten. Bei leichten grippeähnlichen Beschwerden an Toxoplasmose denken. Die Bestimmung des Toxoplasmosetiters ist bei Kinderwunsch bereits vor einer Schwangerschaft sinnvoll. Die Therapie der pränatalen Infektion ist nicht unproblematisch, aber wichtig. Sie sollte daher durch mit dieser Problematik vertraute Kollegen erfolgen. Die Behandlung erfolgt zu Lasten der GKV.

Der Wirksamkeitsnachweis dieser FGL ist durch Studien belegt.