20.05.2019

Digitalisierungsgesetzt: App auf Rezept, Arzt per Video

Nach einer Grundsatzentscheidung des Deutschen Ärztetags im vergangenen Jahr haben mittlerweile die Ärztekammern in allen Bundesländern bis auf Brandenburg die berufsrechtlichen Voraussetzungen geschaffen, dass Ärzte Patienten auch ohne vorherigen persönlichen Kontakt per Videochat behandeln können.

Ärzte sollen künftig auch Gesundheits-Apps verschreiben dürfen, die beispielsweise Diabetiker bei der Therapie unterstützen oder Patienten mit Bluthochdruck an die Einnahme ihrer Medikamente erinnern. Die Leistung soll dann von den Kassen bezahlt werden. Minister Spahn will dazu digitalen Gesundheitsanwendungen den Weg in die Regelversorgung ebnen: Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) soll nach einer ersten Prüfung von Kriterien wie Datenschutz, Transparenz und Nutzerfreundlichkeit Gesundheits-Apps auf ein Jahr befristet in die Erstattung durch die GKV bringen. Während der Probezeit muss der App-Hersteller dann nachweisen, dass sein Angebot positive Effekte für die Versorgung hat. Die Vergütung sollen die Hersteller mit dem GKV-Spitzenverband aushandeln. Der Minister geht bewusst nicht über den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA), der bei Arzneimitteln und vielen Behandlungsmethoden nach einer wissenschaftlichen Bewertung des Zusatznutzens über die Erstattung durch die Kassen entscheidet.

Im Lager der Krankenkassen stößt die jüngste Initiative des Ministers auf Zustimmung.

Kritischer äußerte sich die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV). „Der Einsatz von Apps in der Versorgung kann sinnvoll sein. Was aber nicht sein darf, ist, dass der einzelne Arzt sich mit einer Flut verschiedener App-Produkte beschäftigen und genau wissen muss, welche Krankenkasse welche Anwendung erstattet“, erklärte KBV-Chef Andreas Gassen. „Auch hier sollte eine angemessene und vor allem effiziente Nutzenbewertung vorgeschaltet sein.“