11.05.2019

Krankenkassen investieren über 500 Millionen Euro in Pflegestützpunkte und die Pflege wird dadurch schlechter

 

Weniger Geld für die Pflege und nicht genügend Fachpersonal

Die Stützpunkte werden von den Kranken- und Pflegekassen auf Initiative eines Bundeslandes errichtet, damit gelten die Kommunen und Pflegekassen als Träger. Stand 2017 wurden 830 Pflegefachkräfte in den Dienst der Pflegestützpunkte abgeworben, 43% haben die Weiterbildung zum Pflegeberater absolviert. Das bedeutet, 2017 standen 830 weniger Pflegefachkräfte für die Pflege zur Verfügung, trotz bereits großem Mangel an Pflegepersonal.

Zehn Jahre nach dem Inkrafttreten des Pflege- und Weiterentwicklungsgesetzes ist es an der Zeit Bilanz zu ziehen: In Zusammenarbeit mit der Uni Erlangen-Nürnberg hat der Verband Pflegehilfe eine Studie zur Belastung pflegender Angehöriger durchgeführt. Diese hat ergeben, dass lediglich 12% der Teilnehmer eine professionelle Pflegeberatung in Anspruch nehmen.

Pflegestützpunkte mit Millionen finanziert und niemand zu erreichen

Nur 12% der Befragten nehmen eine professionelle Pflegeberatung in Anspruch. Dies hat verschiedene Gründe. Mehr als ein Drittel der Befragten klagen über einen zu hohen organisatorischen Aufwand und das Nichtvorhandensein geeigneter Angebote. Ein weiterer Grund ist die mangelnde Erreichbarkeit.

Stand 2017 gibt es in Deutschland 432 Pflegestützpunkte. Die Errichtung und Unterhaltung müssen nach eigenen Errechnungen bereits über 500 Millionen Euro gekostet haben. Die Personalkosten für die angenommenen 830 Pflegefachkräfte und -berater erstrecken sich bereits auf über 375 Millionen Euro. Hinzu kommen Kosten für Verwaltungs- und Reinigungskräfte, Mieten und weitere Büro- und Kommunikationskosten.

55% der pflegenden Angehörigen können das Beratungsangebot nicht wahrnehmen

Die häusliche Pflege wird häufig von Angehörigen übernommen. Die Studie hat ergeben, dass 55% der pflegenden Angehörigen neben der Pflege in ihrem eigentlichen Beruf arbeiten. Die Öffnungszeiten der Pflegestützpunkte beschränken sich auf die gewöhnlichen Geschäftszeiten. Angehörige, die neben der Pflege eine Beschäftigung ausüben, haben kaum eine Chance das Beratungsangebot der Pflegestützpunkte wahrzunehmen.

Geplant ist ein Pflegestützpunkt pro 20.000 Einwohner. 2017 kamen auf einen Stützpunkt 200.000 Einwohner. Die Errichtung und Unterhaltung haben bereits über 500 Millionen Euro gekostet und nur 12% der pflegenden Angehörigen nehmen das Angebot wahr. Die Errichtung und Unterhaltung der 4.000 Stützpunkte wird über zehn Jahre hinweg, um die 5,5 Milliarden Euro in Anspruch nehmen.

Telefonische Beratungsangebote zur Ergänzung der Beratung vor Ort

Ein Drittel der Befragten wünscht sich eine professionelle Beratung zur Klärung von Fragen rund um die Organisation von Betreuung und Pflege. Seit neun Jahren berät der Verband Pflegehilfe Pflegebedürftige und deren Angehörige bundesweit. Die Berater sind an sieben Tagen in der Woche von 08:00 bis 20:00 Uhr unter der Rufnummer 06131 / 83 82 160 zu erreichen. Die kostenfreie und unverbindliche Beratung finanziert sich zu 100% aus den Beiträgen der Mitgliedsunternehmen und Sponsoren, die gemeinsam diesen branchenübergreifenden Service ermöglichen. Weitere Informationen auch auf der Verbands-Homepage: www.pflegehilfe.org