Psychotherapeutische Behandlung von Patienten mit Essstörungen in Gruppen

Beschreibung

Essstörungen beinhalten eine Gruppe von psychiatrischen Störungen, welche sich in unterschiedlichen Verhaltensweisen äußern. Die klassische Form einer Essstörung stellt die Anorexia nervosa (Magersucht) dar. Hier steht, wie auch bei der Bulimia nervosa, eine gestörte Körperwahrnehmung im Vordergrund. Die Patientinnen und Patienten (eher selten) empfinden sich als zu dick und versuchen auf unterschiedlichste Arten ihr Gewicht zu reduzieren. Bei der Anorexie steht die Nahrungsverweigerung im Mittelpunkt, wohingegen bei der Bulimie die Sucht nach Essen mit anschließendem Erbrechen vordergründig ist. Viele Patienten müssen aufgrund ihres akuten Untergewichts stationär behandelt und teilweise zwangsernährt werden, was allerdings nur bei Kindern ohne deren Einwilligung durchgesetzt werden kann. Viele Patienten verweigern auch eine Behandlung. Für Patientinnen, die sich eventuell noch nicht vollständig mit ihrer Krankheit identifizieren können oder keinen Arzt konsultieren, sondern sich lediglich mit anderen Betroffenen austauschen möchten, eignet sich die Therapie in der Gruppe. Hier erfolgt ein Austausch mit Betroffenen über die Probleme und über Wege aus der Essstörung, sowie gegenseitige Motivation und Unterstützung auf einem gemeinsamen Weg aus der Essstörung heraus. Dies geschieht stets unter therapeutischer Anleitung. Des Weiteren werden Informationen zu organischen und seelischen Zusammenhängen und deren Folgen sowie über den Umgang mit Suchtpotential und -druck vermittelt.
Ziele sind die Selbstreflexion zum Verständnis der Erkrankung im Kontext mit der eigenen Familiengeschichte, das Wahrnehmen von Gefühlen, Wünschen und Bedürfnissen, sowie die Entwicklung eines starken Selbstwertgefühls und adäquater Eigenliebe. Ergebnis soll ein genussvoller, unbeschwerter, gesunder und bedürfnisgerechter Umgang mit Nahrungsmitteln sein. Auch Patienten mit einer gegenteiligen Essstörung, bei der "Frustessen" und eine Adipositas (krankhaftes Übergewicht) im Fokus stehen, können von dieser Therapieform profitieren.



Autor: ÄGGP

Fakten

Indikation

Menschen mit einer akuten oder chronifizierten Essstörung (Anorexia nervosa, Bulimia nervosa, Binge Eating Disorder).

Risiken

1. Es kann phasenweise zu einer Verschlechterung oder Veränderung der Symptomatik kommen. Ohne "Suchtmittel" können anfangs Spannungs-, Unruhe oder Angstzustände etc. auftreten.
2. Eigen- und Fremdwahrnehmung werden geschärft. Dies kann zur Veränderung von familiären, partnerschaftlichen und freundschaftlichen Kontakten und zu beruflichen Veränderungen führen

Alternativen in der GKV

Bei diagnostizierter Essstörung bietet die GKV stationäre sowie ambulante Therapieformen.

Kosten

Abrechnung nach GOÄ (bis 2,3 facher Satz), meist 100 Minuten/ Gruppe à 40,70 Euro.

Qualifikation des Anbieters

Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik

Psychologische Psychotherapeuten mit Qualifikationsnachweis zur Psychotherapie

Heilpraktiker und Heilpraktiker für Psychotherapie

Unser Kommentar

Für viele Betroffene ist es schwierig, Hilfe in Anspruch zu nehmen, weil sie meinen, es alleine schaffen zu müssen. Gerade ein Austausch untereinander in einer Gruppe von Betroffenen ist sehr hilfreich, entlastend und ermutigend, sich gemeinsam den Problemen und Ursachen zu stellen.

Der Wirksamkeitsnachweis dieser FGL ist nicht durch Studien belegt. Diese FGL wird aber von Experten empfohlen bzw. nicht abgelehnt.