Topische Immuntherapie bei kreisrundem Haarausfall

Beschreibung

Die Alopecia areata wird auch „kreisförmiger Haarausfall“ genannt. Meist bestehen nur wenige Kahlstellen, die nach einiger Zeit spontan wieder zuwachsen, sich manchmal jedoch zu zunehmend größeren Kreisen entwickeln können. In seltenen Fällen entwickelt sich aus der Alopecia areata ein totaler Haarausfall. Wichtig ist zu wissen, dass auch dann die Haarwurzeln intakt bleiben, so dass jederzeit die Möglichkeit besteht, dass wieder normales Haar nachwächst. Häufig wachsen die Haare nach 4-6 Monaten zuerst weiß nach. Bei kompletter Glatzenbildung spricht man auch von Alopecia areata totalis, bei vollständigem Verlust der Körperbehaarung von Alopecia areata universalis. Das Behandlungsspektrum ist wie bei den meisten ungeklärten Krankheitsbildern sehr vielseitig und reicht vom einfachen Abwarten über individuelle Therapieversuche durch Auftragen kortisonartiger Lösungen, örtliche Reizbehandlungen, Bestrahlungen, örtliche (Kortison-) Spritzentherapie im kahlen Areal, Auftragen von Immunmodulatoren oder haarwachstumsstimulierenden Substanzen bis zur Einnahme von Zink oder Kortisonpräparaten. Die sogenannte Topische Immuntherapie mit DCP (Diphencyprone), die eine vergleichsweise hohe Erfolgsquote hat, wird nur in wenigen spezialisierten Zentren bei Patienten durchgeführt, die einen ausgeprägten Haarausfall aufweisen und bei denen die übrigen Verfahren keinen Effekt gezeigt haben.
Durch die Behandlung mit Diphencyprone wird ein leichtes Kontaktekzem an der Kopfhaut hervorgerufen, und durch diese Ekzemreaktion werden die Haarwurzeln wieder zur Aktivität angeregt, wodurch neues Haarwachstum einsetzt. Aufgrund der Behandlung zeigt sich bei der Mehrzahl der Patienten mit Alopecia areata wieder ein vollständiges oder zumindest zufriedenstellendes Haarwachstum an der Kopfhaut, seltener auch an den Augenbrauen. Die Substanz Diphencyprone wird in Form einer Lösung auf die Kopfhaut aufgetragen. Dadurch wird der Patient gegenüber diesem Mittel absichtlich allergisch gemacht. Anschließend erfolgt die Behandlung in wöchentlichen Abständen. Die Stärke der DCP-Lösung wird so gewählt, dass jeweils ein leichtes Ekzem mit Juckreiz auftritt. Zunächst wird nur eine Kopfhälfte behandelt, weil der Vergleich mit der unbehandelten Kopfhälfte erlaubt, den Behandlungseffekt sehr frühzeitig zu erkennen. Nach 10 bis 25 Wochen kann der spezialisierte Dermatologe in der Regel beurteilen, ob sich neues Haarwachstum zeigt. Wenn halbseitiges Haarwachstum eingetreten ist, wird die gesamte Kopfhaut behandelt. Wenn ein vollständiges Wiederwachsen der Haare erreicht ist, ist eine Wiedervorstellung beim behandelnden Hautarzt im Regelfall nur noch in größeren Abständen zur Behandlung notwendig. Der Juckreiz, der durch das Ekzem verursacht wird, ist für den Behandlungseffekt erwünscht und wird durch die meisten Patienten ohne weiteres ertragen. Bevor jene Dosis, die die Richtige ist, herausgefunden wird, kann es geschehen, dass einmal eine zu starke Konzentration des Mittels aufgetragen wird, wodurch ein zu starkes Ekzem entsteht. Diese Reaktion ist zwar lästig, aber nicht gefährlich - sie klingt nach einigen Tagen von selbst wieder ab. Aus Sicherheitsgründen dürfen Frauen während der Behandlungszeit nicht schwanger werden. Nach der Entbindung und Stillzeit kann die Behandlung wieder fortgesetzt werden. Das Risiko, dass andere unerwünschte und bisher noch unbekannte Nebenwirkungen auftreten, ist vorhanden, aber als gering einzuschätzen. In seltenen Fällen ist eine Verstärkung oder eine Verminderung der Hautpigmentierung beobachtet worden (dieses Risiko gilt insbesondere für Personen mit einem dunkleren Hauttyp). In den vergangenen, mehr als 20 Jahren, in denen DCP zur Behandlung der Alopecia areata in mehreren Kliniken eingesetzt worden ist, wurde über keine weiteren schwerwiegenden Nebenwirkungen berichtet. Die Substanz hat jedoch nicht alle vorgeschriebenen Phasen einer Arzneimittelprüfung durchlaufen - es fehlen entsprechende Tierversuche, die sehr aufwendig und kostenintensiv sind. Aus diesem Grunde ist DCP kein zugelassenes Arzneimittel. Die Behandlung mit diesem Mittel ist ein „Heilversuch“, der i.d.R. nur mit schriftlicher Einwilligung des Patienten durchgeführt wird.

 



Autor: Dr. med. Bernd Kardorff (BVDD), Mönchengladbach

Fakten

Indikation

Stärker ausgeprägte Alopecia areata (mehr als 30% der Kopfhaut betroffen).
Versuch auch bei Alopecia areata totalis und universalis im Bereich der Kopfhaut und vorsichtig an den Augenbrauen möglich.

Risiken

Juckreiz für 1-2 Tage nach jeder Behandlung. Zeitweises Anschwellen der Lymphknoten in der Behandlungsregion. Kein Erfolg. Zu starkes Kontaktekzem mit Blasen und Krusten, die aber wieder abheilen. Selten Pigmentstörungen.

Alternativen in der GKV

Für leichte Formen und geringe Flächen: Kortisonhaltige Tinkturen oder Injektionen in das befallene Areal.

Kosten

Die Kosten betragen ca. 30-50 € pro Sitzung.

Qualifikation des Anbieters

Facharztpraxis oder Klinik für Dermatologie mit langjähriger Erfahrung in der topischen Immuntherapie.

Unser Kommentar

Leichte Formen des kreisrunden Haarausfalls verschwinden meist von ganz alleine wieder. Meistens bleiben die kleinen, runden, haarlosen Areale unbemerkt, wenn man nicht gerade einen Friseurbesuch hat. Die Ausbildung eine Glatze (totalis- oder universalis-Form) ist eher eine seltene Ausnahme des Erkrankungsverlaufes. Wenn der Haarverlust jedoch trotz dermatologischer Behandlung weiter fortschreitet, gehört die DCP-Therapie zu den Behandlungen mit der höchsten Erfolgschance.Hierfür ist die schriftliche Einwilligung der Patienten erforderlich,da wie beschrieben, DCP keine Zulassung als Arzneimittel besitzt.

Der Wirksamkeitsnachweis dieser FGL ist durch Studien belegt.